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Der zunehmende Mangel an qualifizierten akademischen Fachkräften und eine überdurchschnittliche Kinderlosigkeit unter Akademikerinnen sind Zeichen der Notwendigkeit, die Studien- und Arbeitsbedingungen an Hochschulen deutschlandweit zu überdenken – auch für Männer, die sich aktiv in der Familienarbeit engagieren wollen. Unter den Studierenden, die ihr Studium aus familiären Gründen abbrechen, gehören Schwangerschaft sowie die Unvereinbarkeit von Studium und Kinderbetreuung zu den vorrangigen Gründen. Darüber hinaus können aber auch andere familiäre Gründe die Vereinbarkeit von Studium und Familie erschweren, etwa Betreuungsaufgaben gegenüber pflegebedürftigen Angehörigen oder persönliche Lebenskrisen.
Die Fachhochschule ist bemüht, Studierende und Beschäftigte mit Familienpflichten zu unterstützen. Eine Reihe von familienfreundlichen Angeboten gibt es bereits, beispielsweise eine gleitende Arbeitszeit, Teilzeitmodelle, Sozial- und Konfliktberatung, einen Frauenförderplan oder eine Kinderbetreuung durch die Campuszwerge e.V. Dafür wurde der Fachhochschule Nordhausen (FHN) im Juni 2008 das Zertifikat „familienfreundliche Hochschule“ verliehen. Dieses Zertifikat wird von der Hertie-Stiftung nach einem Gutachterprozess erteilt. Die FHN hat sich mit der Zertifizierung zu einer weiterführenden familiengerechten Gestaltung des Studiums, der wissenschaftlichen Karriere und administrativen Abteilungen verpflichtet. Sie übernimmt hiermit auch gesellschaftliche Verantwortung und erfüllt die Forderungen nach Gleichstellung der Geschlechter sowie die Förderung Studierender und Beschäftigter mit Familienaufgaben.
Im Leitbild der Fachhochschule wurde ein erweiterter Familienbegriff verankert. Demnach ist eine Familie überall dort gegeben, wo langfristig Verantwortung (Erziehung und Pflege) insbesondere für PartnerInnen, Kinder oder pflegebedürftige Angehörige übernommen wird.
Das audit ist keine Momentaufnahme, sondern ein kontinuierlicher Prozess, in dem sich die Hochschule zu Beginn der Auditierung befindet. Drei Jahre nach Erteilung des Grundzertifikats wird im Rahmen einer Re-Auditierung nicht nur überprüft, ob die gesteckten Ziele erreicht wurden, sondern erneut der Blick in die Zukunft gerichtet. Was sind die Ziele für die kommenden drei Jahre?
Am 30. Juni 2008 wurde die zertifizierte FH Nordhausen durch die Schirmherrin Dr. Ursula von der Leyen (Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) und Michael Glos (ehem. Bundesminister für Wirtschaft und Technologie) für das vorbildliche Engagement im Rahmen einer familienbewussten Personalpolitik geehrt. Die Verleihung des Zertifikates „familienfreundliche Hochschule“ erfolgte nach der Durchführung eines audits durch die berufundfamilie GmbH, eine Initiative der gemeinnützigen Hertie-Stiftung.
Weitere Infos zum Zertifikat und zur -erteilung finden Sie auf den Webseiten von
berufundfamile - eine Initiative der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung.
An den Hochschulen wird verstärkt nach tragfähigen Modellen für familienbewusste Arbeits- und Lernbedingungen gesucht, die den hochschulspezifischen Arbeitsstrukturen und Arbeitsprozessen, wie z.B. die Organisation der Lehre, die akademische Selbstverwaltung, Prüfungen und Berufungsverfahren, entsprechen. Zu diesem Zweck wurde auf Initiative der gemeinnützen Hertie-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Universität Trier das audit familiengerechte Hochschule entwickelt, das seit 2002 an Hochschulen in Deutschland erfolgreich druchgeführt wird.
Ziel des audits ist es, eine tragfähige Balance zwischen den betrieblichen Interessen der Hochschule und den familiären Interessen der Beschäftigten und Studierenden zu erreichen und dieses Ziel langfristig in der Hochschule zu verankern. Die FH Nordhausen profitiert von familienwussten Arbeits- und Studienbedingungen in doppelter Hinsicht, denn die Zufriedenheit und Motivation der Beschäftigten steigen durch die Berücksichtigung der familiären Belange merklich. Dies führt zu einer verbesserten Arbeitsqualität, während die Kosten für Fehlzeiten, Neueinstellungen und Einarbeitungszeiten sinken. Zugleich verkürzen sich durch die Unterstützung studierender Eltern die Studienabbruchquoten und Studienzeiten. Neben Forschung und Lehre profitiert aber auch der Verwaltungs- und Servicebereich von den familienbewussten Maßnahmen – insbesondere die Arbeitsbereiche mit einem hohen Frauenanteil unter den Beschäftigten, wie Bibliotheken und Sekretariate.
Die Förderung der Studierenden und Beschäftigten mit Familienpflichten ist nach dem Gesetz Aufgabe der Hochschule, des Personalrats und des Studentenwerks. Anhand eines vorgegebenen, in acht Handlungsfelder gegliederten Kriterienkatalogs, werden im audit passgenaue Ziele und Maßnahmen für die Zukunft der FH Nordhausen erarbeitet. Zu den Handlungsfeldern gehören Arbeitszeit, Arbeitsorganisation, Arbeitsort, Personalentwicklung, Führungskompetenz, Informations- und Kommunikationspolitik, Studium und wissenschaftliche Qualifizierung. Die Handlungsfelder betreffen entweder nur die Beschäftigten, nur die Studierenden oder auch beide Gruppen. Jede Hochschule setzt selbst Schwerpunkte; sie kann vorhandene Stärken ausbauen oder defizitäre Bereiche verbessern. Mit den Zielen und Maßnahmen wird an der FHN eine entspannte Ausbildungs- und Arbeitssituation für Studierende und Beschäftigte mit familiären Aufgaben angestrebt. Besonders hervorzuheben ist eine größere Chancengleichheit zwischen Beschäftigten und Studierenden mit und ohne Familienaufgaben, das heißt zugleich auch zwischen Frauen und Männern, da Frauen immer noch überwiegend Familienarbeit leisten.

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